Krankenhaus… Teil 2

Sooo… nun bin ich auf Station angekommen. Zu meiner Überraschung lande ich in einem 4-Bett-Zimmer mit drei Ü85 Ladies. Seit wann gibt es noch 4-Bett-Zimmer? Ich habe gedacht, dass die schon überall abgeschafft worden wären. ‚Egal‘, dachte ich und machte die Augen zu. Ein Pfleger kam zum Blutdruck-Messen und wollte wissen, ob bekannt ist, dass ich Bluthochdruck hätte… bei einem Mal messen… mein Blutdruck war bei 160/95… also nicht gerade niedrig, aber so hoch war er noch nie. Kann man von einem Mal messen auf eine Erkrankung schließen?

Zunächst durfte ich nur mit Begleitung auf Toilette (nach dem ich einen Schieber abgelehnt habe) und die Schwester war super freundlich und sehr fürsorglich – und ich sollte bald bemerken, dass dies eine Seltenheit ist.

Im Laufe des Abends übergab ich mich mehrfach, weswegen ich dann Schmerzmittel und ein Mittel gegen Übelkeit intravenös erhielt. Ich schlief, brauchte nachts jedoch nochmal eine neue Dosis, übergab mich auch da mehrfach und brauchte eine dritte Decke, weil mir wirklich kalt war. Ich selbst habe immer wieder Phasen gehabt, wo ich wach war – aber auch Phasen, wo mich die Schwestern kaum wachbekommen haben.

Die Damen auf meinem Zimmer wirken nur am Anfang so, als wären sie einfach nur „alt“… es stellt sich schnell heraus, dass eine sehr, sehr verwirrt war und die andere Panikattacken hatte wegen der OP und dem, was noch alles folgen kann. Wären meine Kopfschmerzen nicht gewesen, so wäre es eine sehr amüsante Zeit für mich gewesen (wenn man nur die Kommunikation zwischen den beiden Damen betrachtet). Aber dazu im 3. Teil mehr.

Die Schwestern und Pfleger wirken auf mich sehr gestresst, was bei einem Personal-Schlüssel von 3/34 verständlich ist. Wirklich, ich kann es sehr gut verstehen, dass sie gestresst sind und jedes einzelne Klingeln von den Patienten nur noch mehr Stress bedeutet. ABER: diesen Stress an den Patienten auszulassen und im schlimmsten Fall noch die Macht zu missbrauchen, geht definitiv zu weit!!! Es sind 4 Tage gewesen und die einzigen kompetenten Schwestern und Ärzte kann ich an einer Hand abzählen. Und das ist ein trauriges Ergebnis.

Im 3. Teil erzähle ich von meinen Mit-Patienten und dem Umgang mit ihnen. Wohl bedacht darauf, keine Namen zu nennen und den Datenschutz zu würdigen. Ganz ehrlich? Es ist auch ein Selbstschutz, dass ich am Donnerstag schon nach Hause gegangen bin. Da schlägt mein Herz für Senioren einen ganz tiefen Ton. Also sei gespannt auf Teil 3…

Ich für mich musste immer wieder überlegen, ob ich nun klingle oder nicht. Was ist für mich ein Notfall und was ist in den Augen der Schwestern einfach übertrieben? Einer passte es nicht, dass ich Begleitung fürs Klo benötigte. Dann hieß es, ich solle selbstständig werden. Das nächste Mal ging ich alleine und mir wurde schwindelig und wackelig und die Nächste meinte, warum ich denn alleine gehe, ich hätte lieber klingeln sollen… mein Gedanke: „habt ne gescheite Übergabe und klare Anweisungen, dann passiert so was nicht“…

Die dämlichste Aktion (muss ich selbst leider zugeben) war die, dass ich mir nach so einem Kommentar („sie müssen mal selbst mehr aktiv werden und nein, wir können grade nicht beim waschen helfen“) in den Kopf gesetzt habe, denen zu zeigen, dass ich alleine in der Lage bin, mir meine Haare zu waschen…

Ergebnis: Ich wurde „erwischt“, nachdem ich mich, auf dem Stuhl vor dem Waschbecken, vor Schwindel und Müdigkeit in einem Dämmerzustand befunden habe. Ich wurde zum Bett begleitet und bekam eine liebevolle Standpauke. Wie gesagt… ein paar Schwestern hatten wirklich die Patienten im Blick und haben uns das Gefühl gegeben, wichtig und wertvoll zu sein und nicht nur ein Hindernis, zwischen Mitarbeiter und Feierabend…

Mir persönlich war nicht klar, was für mich das richtige Verhalten war. Ich sollte liegen bleiben, das Ja, aber mir wurde an keinem der Tage beim Waschen geholfen (wie meinen Zimmernachbarn) oder habe sonst irgendeine Unterstützung erhalten, damit mein Kreislauf wieder intakt kommt.

Teil 3 folgt…