Kalle… und wie er mein Leben veränderte

Ein Jahr ist es her… genau ein Jahr und 27 Tage! Er ist immer noch weg. 😦 Mein Leben hat es vollkommen auf den Kopf gestellt. Ich bin in ein Loch gerutscht, aus dem ich nicht selbst herauskam. Und das NICHT allein, weil mein Hund weggelaufen ist!

Ich habe mein ganzes Leben immer so gelebt, dass ich die Starke bin, die alles unter Kontrolle hat. Egal welche Katastrophe, ob mein Opa starb, meine beste Freundin zuvor oder meine Oma danach… egal ob meine Schwester wieder im Krankenhaus war… egal dass der Kontakt zur Familie zeitweise ausblieb… Ich war die Starke! Nur eine Rechnung blieb offen: Die meiner Hochsensibilität…

Ich nehme Emotionen stärker und früher wahr, reagiere bei gewissen Gerüchen extremer und kann ohne Vorurteile auf Menschen zugehen… das alles ist eine wunderbare Gäbe, aber ebenso auch Fluch. Und es gab in den letzten zehn Jahren eine Zeit, in der ich nicht auf mich geachtet habe, meine Bedürfnisse/Wünsche/Gefühle waren für mich nicht existent.

Als Kalle weggelaufen ist, brach mein Kontrollsystem zusammen. Hilflosigkeit und Kontrollverlust führten dazu, dass mein System mit dm ich alles verdrängen konnte einbrach und somit alles nach oben katapultierte. Damit ich damit überhaupt irgendwie klarkam fokussierte ich mich auf die Suche nach Kalle. Ich musste krankgeschrieben werden, da ich an Schlafmangel, emotionalen Zusammenbrüchen und Depression litt.

Inzwischen habe ich einen neuen Job, Therapie und schon einen Teil meiner verdrängten Themen bearbeitet – verarbeitet aber noch nicht. Kalle und sein Verlust haben mir gezeigt, was bei mir selbst im Argen liegt. Und ganz ehrlich? Anders hätte ich immer so weitergemacht wie zuvor. Ich hätte nichts verändern müssen, weil es ja irgendwie ging…

Ich wünsche mir nichts mehr, als Kalle wieder in meine Arme schließen zu können. Ich möchte mich bei ihm bedanken, dass er durch seine Abwesenheit mir zu mir selbst verholfen hat.

Was leider wenige Hundebesitzer verstehen ist die Tatsache, dass ich selbst es psychisch nicht schaffe, die Futterstellen zu betreuen, die wir (Ines, Idgie, Conny, Saskia, Ilka, Tanja, Heike und viele mehr) immer wieder neu einrichten. Ich schaffe es nicht und das aus zwei Gründen. Der erste: Ich werde immer wieder an die Hilflosigkeit und meine Gefühle aus der Anfangszeit erinnert, die mit Macht über mich kommen wollen. Der Zweite: Es ist für mich absolut frustrierend und niederschmetternd, wenn Kalle wieder nicht auf den Bildern der Kameras ist oder ich feststellen muss, dass wieder eine geklaut wurde.

Kalle bedeutet mir unglaublich viel und er ist mein Hund, aber ich bin unglaublich dankbar für mein Team, das die Futterstellen übernimmt. Helfe ich gelegentlich mal aus, weiß ich, dass ich danach psychisch sehr aufpassen muss, nicht wieder im Loch zu versinken. Für Ines ist es genauso schwer, doch sie haben Laika, zu der sie dann gehen kann, sie knuddeln kann und Trost findet… bei mir Zuhause warten nur meine Kuscheltiere und das ist kein Trost – wenn da vorher Kalle war.

Lasst also das urteilen und verurteilen und achtet auf euch und eure Fellnasen. Besonders jetzt vor Silvester!

2 Antworten auf „Kalle… und wie er mein Leben veränderte

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