Krankenhaus… Teil 3

Ich mag alte Menschen. Ich weiß nicht, wieso. Doch eigentlich weiß ich das. Sie haben mir an Lebenserfahrung so viel voraus, und haben sehr viel erlebt. Auch wenn sie inzwischen verwirrt, senil und nicht mehr mobil sind, haben sie unseren Respekt verdient! Ich rede gerne mit ihnen und bin deswegen auch aktiv bei dem Seniorenkreis unserer Gemeinde dabei.

Und von dem Respekt habe ich im Krankenhaus einfach nichts gespürt. Die Dame mir gegenüber wirkte so, als würde sie meine erste Nacht im Zimmer nicht überleben… Panikattacke, Atemnot und sehr unruhig… und jedes Mal hat sie geklingelt. Ich kann das verstehen. Wenn es mir besser gegangen wäre, hätte ich mich an ihre Seite gesetzt. Sie sagte der einen Krankenschwester, dass sie Angst hätte vor der OP. Die Reaktion der Krankenschwester hat mich bis ins Tiefste getroffen. „Nein, Sie haben keine Angst! Jetzt schlafen Sie“, und damit war sie wieder aus dem Zimmer draußen.

Jemandem seine Gefühle abzusprechen ist das schlimmste in meinen Augen. Diese Frau hatte wirklich Panik vor der OP. Ich habe mich zusammen gerissen und habe ein Gespräch mit ihr begonnen. Und ich habe heraus gehört, dass sie nicht nur Angst vor der OP hatte, sondern Todesangst. So eine Person kann man unmöglich mit den Gefühlen alleine lassen. Ich hatte kein Zeitgefühl, aber wir haben lange gesprochen, bis sie schlafen konnte. Am nächsten Tag war die OP und als sie wieder ins Zimmer gebracht wurde, fragte sie den „Bettenfahrer“ als erstes, ob die rothaarige Dame noch da wäre. Sie bedankte sich und meinte, sie hätte sich getragen gefühlt. Sie war nach der OP noch verwirrter, meinte, dass sie auf den Schieber müsste und es kam nichts. Das ärgerte scheinbar die Schwestern noch mehr und es war nicht selten, dass die Türe knallte oder die Dame dazu angehalten wurde, nur zu klingeln, wenn sie sich wirklich sicher sei. Sie ließen sie auch teilweise nicht zugedeckt liegen, so dass man sehr viel von der Dame gesehen hat. Die Würde des Menschen wurde in meinen Augen herabgesetzt.

Die andere Dame neben mir hielt jede von uns für ihre Tochter. Und das jedes Mal, wenn sie einen von uns wahrnahm. Ich machte mir die Mühe, ihr jedes Mal aufs Neue zu sagen, dass wir im Krankenhaus liegen und ihre Tochter zu Besuch kommen würde. Mit meinem Kopf und den Schmerzen war das eigentlich eine Leistung, die ich kaum erbringen konnte, aber keine der Schwestern ist auf diese beiden eingegangen, hat sie dort abgeholt, wo sie waren.

Mittwoch Abend war ich dann allerdings so fertig, dass ich das Angebot der Schwester annahm und in dem Aufenthaltsraum schlafen durfte. Nachdem die eine aufstehen wollte, nicht durfte und ich geklingelt habe und es geschafft habe innerhalb der 10 Minuten bis die Schwester kam, dass sie wieder lag. Das hat mich über meine Kräftegrenzen gebracht. Am Donnerstag habe ich beschlossen, dass es besser ist für mich, wenn ich Zuhause weiter ruhig bleibe und gesund werde.

Der Arzt gab sein OK und ich durfte nach Hause. Hier genieße ich die Ruhe. Es gibt keine harschen Worte der Krankenschwestern, kein dauerhaftes Klingeln. Es gibt hier niemanden, der etwas von mir will oder ohne Ankündigung das Licht anknipst. Hier weiß ich, wie ich mich trotz Schwindel bewegen kann und dass ich mich auf mich verlassen kann.

Inzwischen ist der 09.10. und ich habe noch ein paar Nachwirkungen, aber damit kann ich leben und es wird von Tag zu Tag besser.

Ich leide allerdings darunter, das Wissen zu haben, dass es tagtäglich auf dieser Station Patienten gibt, die so behandelt werden, wie die Damen und ich. Mein Bewusstsein für den Stress ist vorhanden – aber ich frage mich, ob man sein Einfühlungsvermögen dafür aufgeben muss, um diesen Job zu machen. Wenn Menschen die Leidenschaft für ihren Beruf fehlt, kann es (besonders im Sozialwesen) schnell sehr fies werden…

In welchem Deutschland leben wir? Sollten wir nicht eigentlich eine ganz andere Art haben, mit unseren Mitmenschen umzugehen? Sollten wir nicht einen annehmenden und wertschätzenden Blick auf alte Menschen haben? Viele haben Deutschland wieder aufgebaut nach dem Krieg! Viele haben Verluste erlitten oder andere traumatische Erlebnisse gehabt. Sollten wir dafür nicht Respekt zollen und für sie da sein?

Was bitte ist aus unserer Menschlichkeit geworden?

Zum Schluss möchte ich sagen, dass ich dankbar für die wenigen Menschen bin, die diese Menschlichkeit gezeigt haben. Die für uns da waren und die vieles möglich gemacht haben. Bei so viel negativem verlieren sie nicht den Blick auf das Positive und ich bin dankbar, dass es 2-3 Schwestern gab, bei denen ich mich sicher und aufgehoben gefühlt habe und als Mensch wahrgenommen wurde.

Krankenhaus… Teil 2

Sooo… nun bin ich auf Station angekommen. Zu meiner Überraschung lande ich in einem 4-Bett-Zimmer mit drei Ü85 Ladies. Seit wann gibt es noch 4-Bett-Zimmer? Ich habe gedacht, dass die schon überall abgeschafft worden wären. ‚Egal‘, dachte ich und machte die Augen zu. Ein Pfleger kam zum Blutdruck-Messen und wollte wissen, ob bekannt ist, dass ich Bluthochdruck hätte… bei einem Mal messen… mein Blutdruck war bei 160/95… also nicht gerade niedrig, aber so hoch war er noch nie. Kann man von einem Mal messen auf eine Erkrankung schließen?

Zunächst durfte ich nur mit Begleitung auf Toilette (nach dem ich einen Schieber abgelehnt habe) und die Schwester war super freundlich und sehr fürsorglich – und ich sollte bald bemerken, dass dies eine Seltenheit ist.

Im Laufe des Abends übergab ich mich mehrfach, weswegen ich dann Schmerzmittel und ein Mittel gegen Übelkeit intravenös erhielt. Ich schlief, brauchte nachts jedoch nochmal eine neue Dosis, übergab mich auch da mehrfach und brauchte eine dritte Decke, weil mir wirklich kalt war. Ich selbst habe immer wieder Phasen gehabt, wo ich wach war – aber auch Phasen, wo mich die Schwestern kaum wachbekommen haben.

Die Damen auf meinem Zimmer wirken nur am Anfang so, als wären sie einfach nur „alt“… es stellt sich schnell heraus, dass eine sehr, sehr verwirrt war und die andere Panikattacken hatte wegen der OP und dem, was noch alles folgen kann. Wären meine Kopfschmerzen nicht gewesen, so wäre es eine sehr amüsante Zeit für mich gewesen (wenn man nur die Kommunikation zwischen den beiden Damen betrachtet). Aber dazu im 3. Teil mehr.

Die Schwestern und Pfleger wirken auf mich sehr gestresst, was bei einem Personal-Schlüssel von 3/34 verständlich ist. Wirklich, ich kann es sehr gut verstehen, dass sie gestresst sind und jedes einzelne Klingeln von den Patienten nur noch mehr Stress bedeutet. ABER: diesen Stress an den Patienten auszulassen und im schlimmsten Fall noch die Macht zu missbrauchen, geht definitiv zu weit!!! Es sind 4 Tage gewesen und die einzigen kompetenten Schwestern und Ärzte kann ich an einer Hand abzählen. Und das ist ein trauriges Ergebnis.

Im 3. Teil erzähle ich von meinen Mit-Patienten und dem Umgang mit ihnen. Wohl bedacht darauf, keine Namen zu nennen und den Datenschutz zu würdigen. Ganz ehrlich? Es ist auch ein Selbstschutz, dass ich am Donnerstag schon nach Hause gegangen bin. Da schlägt mein Herz für Senioren einen ganz tiefen Ton. Also sei gespannt auf Teil 3…

Ich für mich musste immer wieder überlegen, ob ich nun klingle oder nicht. Was ist für mich ein Notfall und was ist in den Augen der Schwestern einfach übertrieben? Einer passte es nicht, dass ich Begleitung fürs Klo benötigte. Dann hieß es, ich solle selbstständig werden. Das nächste Mal ging ich alleine und mir wurde schwindelig und wackelig und die Nächste meinte, warum ich denn alleine gehe, ich hätte lieber klingeln sollen… mein Gedanke: „habt ne gescheite Übergabe und klare Anweisungen, dann passiert so was nicht“…

Die dämlichste Aktion (muss ich selbst leider zugeben) war die, dass ich mir nach so einem Kommentar („sie müssen mal selbst mehr aktiv werden und nein, wir können grade nicht beim waschen helfen“) in den Kopf gesetzt habe, denen zu zeigen, dass ich alleine in der Lage bin, mir meine Haare zu waschen…

Ergebnis: Ich wurde „erwischt“, nachdem ich mich, auf dem Stuhl vor dem Waschbecken, vor Schwindel und Müdigkeit in einem Dämmerzustand befunden habe. Ich wurde zum Bett begleitet und bekam eine liebevolle Standpauke. Wie gesagt… ein paar Schwestern hatten wirklich die Patienten im Blick und haben uns das Gefühl gegeben, wichtig und wertvoll zu sein und nicht nur ein Hindernis, zwischen Mitarbeiter und Feierabend…

Mir persönlich war nicht klar, was für mich das richtige Verhalten war. Ich sollte liegen bleiben, das Ja, aber mir wurde an keinem der Tage beim Waschen geholfen (wie meinen Zimmernachbarn) oder habe sonst irgendeine Unterstützung erhalten, damit mein Kreislauf wieder intakt kommt.

Teil 3 folgt…

Krankenhaus… Teil 1

Am 30.09 ist mir etwas ziemlich dämliches auf der Arbeit passiert. Ich bücke mich, will irgendwas in meiner Tasche gucken, komme mit Schwung wieder hoch und knalle mit dem Hinterkopf gegen die Kante vom Hängeschrank… nachdem ich kurz darauf begonnen habe, mich zu übergeben, wurde ich nach Hause geschickt – bzw. musste mich jemand abholen. So sollte ich nicht mehr alleine fahren.

Mein bester Freund holte mich ab, fuhr mit mir erst in die eine Notaufnahme… warten… dann „wir haben keinen Durchgangsarzt – dazu müssen Sie in die andere Notaufnahme“. Er also mit mir ins andere Krankenhaus. Dort wurde schon gesagt, dass ich (so wie ich aussehe) eine Nacht in ihrem Haus gewonnen habe. Das wollte ich nicht wahrhaben. Als es dann immer länger dauerte zog ich die Liege dem Stuhl vor und triftete immer wieder weg.

Ich weiß noch, dass die blonde Ärztin sehr nett war und eine beruhigende Ausstrahlung hatte. Und dass die Schwestern und Pfleger mindestens zu dritt versucht haben, mir einen Zugang zu legen. 8 Versuche insgesamt, ein Versuch ist oben zu sehen, genauso wie das Resultat 10 min später. Als ob ich nicht schon genug Schmerzen hatte…

Der eine Pfleger hat mir mein Armband (mein Freakstock Band) abschneiden müssen, für den gescheiterten Versuch, die Nadel in die Vene zu bekommen. Ehrlich? Ich hatte noch nie so schlecht sichtbare und fühlbare Venen wie an dem Tag.

Das einzige, was ich zu dem Zeitpunkt noch wollte, war schlafen. Egal wo und wie. Nur musste noch ein CT gemacht werden, bevor ich dann auf Station gebracht wurde. Der „Bettenfahrer“ war ziemlich brummelig, es sei seit Jahren viel zu viel und es würde Zeit, dass das KH geschlossen würde. Er wirkte gestresst, genervt und machte mir persönlich ein schlechtes Gewissen, dass er mich durch die Gegend schieben musste. Ich habe mich daher schlafend gestellt, um nicht auch noch mit ihm reden zu müssen.

Also JA… das KH, so wie es aktuell ist, steht vor der Schließung. Es wird umgesiedelt, aber keiner weiß aktuell wann und wie das aussehen wird. Leider merkt man diese Ungewissheit und große Personalnot auch hier an allen Ecken und Kanten. In Teil 2 berichte ich dann von meinen ersten Momenten auf Station.

Ich staffle es auf mehrere Teile, weil es einfach viel ist, ich aber auf etwas bestimmtes hinaus möchte…

Nicht aufgeben und Berufung leben…

Seit einem Jahr und neun Monaten fehlt ein sehr wichtiges Lebewesen in meinem Leben. Kalle! Viele haben meine Vermisst-Meldungen geteilt, mitgefiebert und ebenso viele sind selbst losgezogen, um mir meinen größten Wunsch zu erfüllen. Oft sind diese eigenen Versuche gescheitert und haben mein Expertenteam fast verrückt gemacht. Das Gute: Auch nach 1,9 Jahren wird er immer noch gesehen. In sehr unregelmäßigen Abständen, aber er wird gesehen. Mein kleiner Überlebenskünstler. Ich kann die Hoffnung nicht aufgeben, dass ich ihn eines Tages wieder in meine Arme schließen kann. Er ist ein Teil meines Lebens und wird es immer bleiben, aber er fehlt…

Ich musste mich aus der Sicherungsgruppe rausziehen, weil ich es einfach nicht mehr schaffe, zu sehen, dass Futterstellen leer sind – und dann auf den Kameras zu sehen welche Tiere sich am Futter erfreut haben. Eben – alle außer Kalle.

Sein verschwinden hat eine Kettenreaktion in mir ausgelöst, die alle Mauern um jegliche verdrängten Dinge eingerissen hat. Und nein… ich baue diese Mauern nicht mehr mühevoll wieder auf, sondern ich gehe die Dinge, die ich verdrängen wollte an. Und ich danke meinen Freunden, die mit mir zusammen kämpfen, für mich da sind und mir immer wieder meine Selbstwahrnehmung grade rücken.

Die letzten Jahre waren ziemlich krass und mit vielen Veränderungen in jedem Bereich meines Lebens… aber den genialsten und größten Schritt werde ich Ende des Jahres gehen. Denn dann beginne ich mit dem Master-Fernstudium in Theologie und ich freue mich schon sehr darauf. Auch wenn es bedeutet, dass ich viel Zeit neben der Arbeit hinein investieren muss. Ich fühle mich dazu berufen und habe Bestätigung aus den unterschiedlichsten Richtungen erhalten.

Ihr dürft gerne dafür beten, dass der Einstieg gut wird und dass ich das alles gut hinbekommen kann.

Liebevoll… oder voller Liebe ❤️

Nein, ich bin nicht verliebt und nein, du wirst jetzt keine Liebesgeschichte lesen, die mich betrifft. Also, zumindest fast nicht. Denn ich möchte dir mitteilen, dass DU liebevolle Blicke erhältst. Du wirst von Jesus voller Liebe angesehen. Und ja, ich weiß, das ist sehr direkt, aber ich habe das Gefühl, dass es dran ist gesagt zu werden.

Egal, in welchem Loch du grade steckst, Jesus sieht dich. Er kann besser als jeder andere verstehen, was es bedeutet, in einem Loch zu stecken. Er ist bei dir und lässt dich nicht alleine. Ja, er sitzt mit dir im Loch und wartet darauf, dass du ihm die Hand gibst. Und glaub mir, er hat Geduld, denn du bist ihm wichtig.

Egal, wie tief du grade im Morast steckst… er wartet darauf, dich herauszuziehen. Er liebt dich – auch wenn du stinkst.

Egal, ob du grade Überflieger, Unterflieger, Tollpatsch, Normalo oder sonst wer bist: Jesus liebt dich. Und es ist dabei nicht entscheidend, wie deine Vergangenheit bisher aussah, oder wie du jetzt grade tickst – entscheidend ist, ob du von ihm geliebt werden willst.

Kannst du dir vorstellen, dass er aus Liebe zu dir vor über 2000 Jahren starb, damit er später einmal mit dir die Party der Ewigkeit feiern kann?

Kannst du dir vorstellen, dass es einen Gott gibt, dem es egal ist, welche Scheiße du fabriziert hast – er hat deine gesamte Zukunft im Blick und kann erahnen, was da noch so alles kommt… aber er liebt dich und will den Weg mit dir gehen.

Kannst du dir vorstellen, dass er uns den freien Willen gelassen hat, obwohl es wahrscheinlich das schwerste für ihn war, was er getan hat?! Immerhin weiß er, was es für uns bedeutet.

Jesus liebt dich! Liebst du dich? Und kannst zulassen, von ihm eine Welt gezeigt zu bekommen, die voller Wunder und Liebe ist? Voller Gnade und Vergebung und letztlich auch voller innerem Frieden? Er blickt dich liebevoll an und ist so voller Liebe für dich, dass sich das keiner vorstellen kann.

Für B.

Liebe deine Feinde

Dieser Vers ist Teil der Bergpredigt und steht in Matthäus 5,44-48. Er war gestern der Tagesvers der Youvision BibleAPP und hat mich vor eine Herausforderung gestellt.

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein friedliebender Mensch bin und Kinder sehr gerne habe. Ich habe gedacht, dass die Arbeit in der Kita erfüllend ist und ich den Kindern helfen kann auf ihrem Weg zum Schulkind Fähigkeiten zu erwerben. Leider ist dies in der Kita, in der ich arbeite nicht wirklich möglich. Und nein, es liegt nicht an den Kindern. Da muss ich sagen, die Kinder können nichts für ihre Eltern.

Eltern, die anfangen, gegen Mitarbeiter zu hetzen, übel nachreden und Gerüchte in die Welt setzen. Eltern, die einem das Wort im Mund umdrehen und es schaffen, dass man mit Bauchschmerzen auf Arbeit erscheint.

Gestern habe ich die Reißleine für mich gezogen und bin (bis ich den Job Ende des Monats wechsel) krankgeschrieben. Ich wollte die drei Wochen durchziehen, der Kinder wegen und auch ein bisschen für mich, aber das wären falsche Motive gewesen.

Viele meiner Freunde haben geschockt reagiert, den Betroffenen Dinge an den Kopf gewünscht und gemeint, ich solle sie doch anzeigen. Diese Reaktion kann ich nachvollziehen, ist aber dennoch nicht meine.

Denn: Liebet eure Feinde! Welchen schwachen Charakter müssen diese Leute besitzen, die so gegen andere gehen? In mir ist keine Wut. Ich habe keine Rachegedanken… in mir ist Traurigkeit und Mitleid. Sie tun mir leid, wenn dies der einzige Weg für sie ist. Und letzten Endes wird Gott Richter sein. Ich sollte mir kein Urteil erlauben. Ich weiß nur, dass Gott diese Menschen auch liebt und dass ich sehr viel von Jesus lernen kann. Besonders in solchen Momenten. Besonders, wenn Menschen so offensichtlich gegen einen sind. Besonders, wenn ich das Gefühl habe, dass ich es nicht ertragen kann. Denn da ist Gott. Er hält mich und trägt mich durch alle Gefahren. Er schirmt mich vor meinen Widersachern ab und beschützt mich.

Und noch eine weitere Komponente darf ich nicht außer Acht lassen: Der Teufel versucht alles, um mich von Gott wegzubekommen. Dass er das Gegenteil mit seinen Aktionen erreicht, ist ihm scheinbar weiterhin nicht bewusst. Er hat mich nicht davon abgebracht aufs Freakstock zu fahren und er wird mich nicht davon abbringen, demnächst Theologie zu studieren. Er wird es versuchen, wird Menschen dazu nutzen, aber Jesus hat schon längst gesiegt – wieso sollte ich da also noch einknicken?

In diesem Sinn: Liebe die, die dich verfolgen und hassen. Mit Liebe rechnen diese Menschen nicht. Und verlass dich auf Gott.

Sei gesegnet und gehe in dem Bewusstsein durch den Tag, dass du Gottes geliebtes Kind bist und er für dich sorgt.

#freakstock2019

Ich liebe dieses Bild. Nicht, weil der Regen die Farben noch besser zur Geltung bringt. Sondern einfach aus dem Grund, dass es mein Motto widerspiegelt. Lerne, im Regen zu tanzen!!!

Es war mein erstes Jahr, wo ich beim Freakstock dabei war. Und ich wäre nicht ich, wenn ich nicht mitgearbeitet hätte. Für mich ging es also schon am Montag (29.07) nachmittags nach Kierspe. Von meinen Technik-Kollegen waren noch nicht viele da, so dass ich zunächst beim Sortieren des Hauptlagers geholfen habe. Dann haben wir uns abends als Team getroffen, die ersten Transporter ausgeladen und Aufgaben besprochen. 16 Leute, teils beruflich in der Veranstaltungstechnik, teils so wie ich Laie, die es ehrenamtlich machen. Ich war voll motiviert und hatte auch etwas „Schiss“ da ich im Secret Garden ab Donnerstag Licht drücken sollte.

Ich will nicht in die Einzelheiten vom Aufbau gehen… nur so viel: Bei den Elektrikern wurde mein Bereich „Sekret Garten“ genannt und die Überschrift „Pleiten, Pech und Pannen“ war wohl beim Aufbau passend. Als es am Donnerstag losging lief alles und ich kam mit dem Pult klar.

Und was soll ich sagen? Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, für die DJs Licht zu drücken und deren Musik und Beats farblich zu gestalten. Ich als Lichttechnikerin aus der Gemeinde gewöhnte mich auch schnell daran, den Strobo einzusetzen (wenn es auch an der ein oder anderen Stelle wahrscheinlich zu viel war…). Ich hatte meinen Spaß und die Teilnehmer und DJs scheinbar auch, ich hatte keine Klagen gehört.

Freitag Abend fing es dann an, dass wir mit Regen zu kämpfen hatten und während die andere Bühne sprichwörtlich unterging und ins Wasser fiel, konnten wir bis 24 Uhr noch weitermachen und es war eine Freude, die Menschen mit übergestülpten Mülltüten, Schirmen und Regenkleidung weitertanzen zu sehen. Allerdings haben auch wir dann wegen dem Regen abbrechen müssen. Dennoch sind wunderbare Bilder dabei entstanden und ich bin sehr glücklich darüber.

Insgesamt habe ich sehr viel lernen dürfen (auch wo meine Grenzen bei Schlafmangel liegen) und habe wunderbare Menschen kennengelernt. Als Team bleiben wir weiter in Kontakt und ich bin gespannt, wen ich nächstes Jahr wieder treffe, denn ich habe definitiv Feuer gefangen.

vom Vertrauen und bedingungsloser Liebe

Es ist Nacht. Mittwoch auf Donnerstag und ich liege wach im Bett. Die letzten Tage waren eine Gratwanderung der Emotionen. Und ich bin an einem Punkt, an dem ich vorher noch nie war. Wusstet ihr, dass Ratten nur dann tief schlafen, wenn sie sich wirklich sicher fühlen? Mücke und Motte (meine beiden Mädels) sind beim kleinsten Geräusch wach und gucken neugierig herum. Seit drei Tagen ist es bei Mücke anders, wodurch das Bild entstanden ist. Sie schläft sogar, während ich sie kraule.

Und ehrlich? Übertragbar auf mich ist es so, dass ich Menschen in meinem Leben habe, denen ich eben dieses anvertrauen kann und mich dennoch sicher fühle. Ich habe keine Sorgen mehr, dass dort doch irgendwo etwas negatives folgen wird. Sonntag habe ich die Predigt von unserer Pastorin Britta gehört und wurde an die bedingungslose Liebe Gottes erinnert. Am Montagabend ging es mir dann so schlecht, dass ich froh war, nicht alleine zu sein, weil mein bester Freund da war. Und heute?

Heute denke ich, dass wir Menschen brauchen, denen wir unser Leben anvertrauen. Wir brauchen Menschen in unserem Leben, die uns zeigen, wer wir sind – wenn wir es vergessen haben. Wir sind bedingungslos geliebte Kinder Gottes.

Heute glaube ich aber auch, dass der Gegenspieler seine Macht ausüben will und uns versucht, von dieser Liebe wegzureißen. Wir stehen ständig in einem Minenfeld und können uns kaum vor Angriffen schützen… das will er uns zumindest vermitteln. Als seien wir machtlos – er will uns zum Aufgeben nötigen.

Heute bin ich fest davon überzeugt, dass Gott stärker ist. Heute weiß ich, dass nichts geschehen kann, was mich von seiner Liebe, seinem Herz wegreißen kann. Heute bin ich davon überzeugt, dass er mir die Menschen an meine Seite stellt, die genau dort stehen sollen. Und dass er mich an genau die Stelle stellen wird, an der ich stehen soll.

Heute – nicht vorgestern! Der Kampf wird jeden Tag aufs Neue losgehen, doch ich weiß, wer am Ende der Sieger sein wird… denn ER hat vor mehr als 2000 Jahren schon gesiegt!

Ich darf Vertrauen und ich werde jeden Tag aufs Neue wieder an die bedingungslose Liebe denken, die mir zuteil wird.

mbs bibelseminar

Ich befinde mich in einer Findungsphase und schaue auf „Alte Zeiten“ zurück. Die beste Zeit, die mich am Weitesten vorangebracht hat, war die Zeit am mbs. Marburger Bildungs- und Studienzentrum heißt es im eigentlichen Sinne. Eine Ausbildung, die mir viel abverlangt hat, aber die mir noch weitaus mehr gegeben hat. Ich profitiere jeden Tag wieder von dem Wissen, das ich dort erwerben konnte. Dozenten, die nicht nur Dozenten sind, sondern Mentoren, Seelsorger, Freunde und Coaches. Ihr Herz hängt an Jesus und am mbs – und damit auch an jedem einzelnen, der dort angenommen wird. Mit vielen bin ich auch über die Zeit in Marburg noch in Kontakt.

Wenn ich einen sentimentalen Moment habe, krame ich mein Missio-Portfolio heraus, das ich bei Prof. Tobias Faix erstellt habe. Inzwischen ist er in Kassel tätig, was für das mbs ein Verlust war. Ich erinnere mich auch unglaublich gerne an andere Fächer und Dozenten. Bei Regina Rauh habe ich sehr viel über das Alte Testament gelernt und die Umgebung von Israel. Da sie schon mehrfach dort war, hat es auch nochmal realitätsbezogene Inhalte – wie sah es früher dort aus und wie heute. Regina ist eine unglaublich starke Dozentin, die auf uns eingegangen ist und es war keine Frage zu dumm. Fossis Unterricht war inspirierend und erfrischend. Es ging von Spiritualität (9 Wege Gott zu lieben…) bis zu Exegese und dank ihm weiß ich auch heute noch, was eine semantische Analyse ist. Lebensnah, reflektiert und begeistert von dem, was sie lehren – so habe ich alle erlebt. Da macht das Lernen nochmal mehr Spaß. Eins der herausforderndsten Fächer war bei Thomas Weißenborn. Er hat uns mit Dogmatik auf Zack gehalten. In den pädagogischen Fächern waren Sabine Lang, Christine Faix (Englisch besonders) und Sabine Rüter unsere Dozentinnen und ich sag dir: Es wurde weder langweilig, noch öde, wenn es um pädagogische Konzepte, Kommunikationstheorien oder Bindungstheorien ging. Ich würde gerne nochmal für einen Monat oder so in den Klassen Mäuschen spielen.

Es ist so unglaublich, was man in drei Jahren alles lernt – von Theologie über Gemeindepädagogik hin zu Pädagogik. Man hat so unglaublich viele Möglichkeiten – und es ist keine Ausbildung nur für den Kopf, nichts, was man nur mal mit Verstand und Fleiß lernen kann. Es ist eine Herzensschule, eine, in der man seine Berufung erfahren kann und viel über sich selbst, sein Leben und seinen Weg mit Gott lernt.

Ich war von 2012-2015 in Marburg, habe mein Anerkennungsjahr in einem familienanalogen Kinderheim absolviert und bin dankbar, für das Wissen, das ich mitnehmen durfte. Und auch für den Rückhalt, den ich auch heute noch durch die Gemeinschaft, durch Dozenten, Freunde und Ehemalige erhalte. Ich würde gerne mehr fürs mbs tun und vielleicht ist dies eines Tages auch dran. Es ist eine Lebensschule, die mich in meinen Fähigkeiten bestärkt hat und zeitgleich eine Möglichkeit geboten hat, an meinen Schwächen zu arbeiten.

Jedem, der Interesse an Theologie und Pädagogik hat, empfehle ich, sich das mbs anzusehen. Es lohnt sich – fürs Leben, für den Glauben, für dich.

Glaube mir, wenn du überlegst, wo du Theologie und Pädagogik (und inzwischen sogar Erlebnispädagogik) auf einmal studieren/lernen kannst und dein Herz für das Reich Gottes schlägt, dann solltest du dich am mbs bewerben. So eine Vielfalt an Pädagogen, Theologen und unterschiedlichen Gemeinden findest du selten. Du lernst, dein eigenes Gottesbild kennen und deinen Glauben mündig zu vertreten. Marburg selbst ist ebenfalls eine unglaublich tolle Stadt, mit vielen Möglichkeiten, dich über die Schule hinweg zu beschäftigen und deine Fähigkeiten und Stärken einzusetzen. Ich würde jederzeit wieder ans mbs gehen – wenn ich die Ausbildung nicht schon absolviert hätte. Aber es gibt noch weitaus mehr Angebote… vielleicht sehen wir uns ja mal 🙂

Neuanfang

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Ich fühle mich, wie diese abgerissene Pusteblume. Ich fühle mich meiner Kräfte beraubt. Mein Innerstes ist leer gesaugt. Und doch gebe ich nicht auf. Ich muss immer wieder daran denken, dass mir gesagt wurde, dass der Scheiß, der mir in meiner Vergangenheit passiert ist, anderen zum Segen wird. Genauso wie die Samen der Pusteblume, die für die Blume ein Verlust bedeutet, anderen allerdings neues Leben schenkt.

Es ist schwer, Altes hinter sich zu lassen. Und es ist schwer, in einem Bereich zu arbeiten, in dem es menschlicher zugehen sollte, als es der Realität entspricht. Es ist erschreckend, wenn man im Kindergarten aufpassen muss, was man sagt, da alles an alle weitergetratscht wird und es einfach kein Ende nimmt. Es braucht die volle Kraft, dort zu arbeiten. Wenn man dann am Wochenende frei hat, ist man froh, wenn man keine anderen Verpflichtungen hat und die Zeit mit Menschen verbringt, die einem gut tun.

Ich wage einen Neuanfang. Jeden Tag auf Neue nehme ich mir vor, dass es besser wird. Ich fange jeden Tag aufs Neue an, meinen Mitarbeitern Vertrauen zu schenken. Jeden Tag aufs Neue nehme ich die Kraft auf mich, den Tag ohne große Blessuren zu überstehen. Und es ist ein großer Kraftakt. Das alles schaffe ich nicht alleine. Neben meinen besten Freunden habe ich Jesus, der mir zur Seite steht, bei jedem Gespräch dabei ist und der mit und für mich kämpft. Ohne ihn bin ich nichts – ein leeres Gefäß. Mit ihm bin ich alles, was mich ausmacht.

Jeden Tag aufs Neue habe ich einen Neuanfang, ein neuer Tag, der mir die Chance gibt, mein Potential zu entfalten. Neuanfänge sind gut, wenn man sie nutzt. Aber es gibt auch Tage, an denen ich nicht neu anfangen will. Tage, an denen ich nicht mehr kämpfen möchte. Es sind Tage, an denen ich keinen Sinn im Neuanfang sehe – und mich frage, wieso ich das erleiden und ertragen muss… Nun ich würde sagen, dass jeder Neuanfang schmerzhaft ist. Man muss sich schließlich eingestehen, dass das Alte sich nicht bewährt hat, oder vorbei ist.

Jeder Tag beginnt mit einem Neuanfang – aber einer ist immer an meiner Seite, auch wenn alle anderen nicht da sind: Jesus. Ihm alleine verdanke ich mein Leben, meinen Lebenswillen und die Hoffnung, dass ich eines Tages meine Berufung erfülle, auch wenn ich noch nicht 100% weiß, wie diese aussieht und eher im Trüben fische. Jesus ist mein Wegbegleiter, Retter und Erlöser und er hilft mir jeden Tag aufs Neue auch die ganzen Täler zu durchwandern. Also, auch wenn ich mich so fühle, wie diese Pusteblume – so weiß ich, dass es einen Sinn gibt auch wenn ich ihn noch nicht sehe.