Neuanfang

Happy new YEAR!!!

Das letzte Jahr hat ein wunderbares Ende gehabt. Das letzte Wochenende war ich in Chemnitz, bei einem sehr guten Freund. Ich habe ihn auf dem Freakstock kennengelernt und wir ticken in vielen gleich, was ich nicht bei vielen Menschen finde. Umso schöner und kostbarer war die Zeit mit ihm. Und am 31.12 hat sich mein bester Freund taufen lassen und ich habe mit ihm, seiner Familie und weiteren Freunden in das neue Jahr hinein gefeiert.

Wenn ich auf das letzte Jahrzehnt zurück blicke, hat es mir nicht nur die 30 geschenkt, sondern sehr viele harte Lektionen, Verluste, Herausforderungen, Tiefpunkte, Verletzungen und Begegnungen mit dem Boden. Allerdings kann ich auch viel positives verbuchen. Ich habe drei Ausbildungen geschafft, bin dreimal umgezogen und habe einen Ort gefunden, der mein „Zuhause“ geworden ist. Ich habe mit Lichttechnik angefangen, durfte auf dem Freakstock Lichttechnik machen, habe wunderbare Menschen kennengelernt, die mein Leben um so vieles bereichern, dass ich es gar nicht alles aufzählen kann. Ich habe einen Ort gefunden, an dem ich sein darf, wie ich bin und ich lerne immer mehr, mich auch selbst so anzunehmen.

Nun startet ein neues Jahr und da wir 2020 haben auch ein neues Jahrzehnt… es ist ein Neuanfang und es startet ohne Kater und mit blauem Himmel und Sonne. Es startet ohne Vorsätze, aber mit Wünschen und Zielen. Es startet mit einem positiven Blick nach vorne und einem dankbaren Herzen, das alle Erfahrungen des letzten Jahrzehnts hütet und mich immer wieder daran erinnert, das Gott überall dabei war. Ich freue mich riesig auf das, was er vorbereitet hat und was ich alles entdecken darf.

Meine Zeit steht in seinen Händen! Ein Satz, der wahrer nicht sein könnte.

Ich wünsche dir ebenfalls einen guten Neuanfang des Jahrzehnts, sei gesegnet, behütet und wisse, das du in den dunkelsten Momenten nicht alleine bist.

Schwesterherzen

Mit meinen zwei Schwestern mache ich einiges mit. Und sie auch mit mir. Dabei wissen beide manchmal nicht, wieviel sie mir überhaupt bedeuten! Ich zeige es auch nicht oft, da die Vergangenheit mir gezeigt hat, dass es meist zu Verletzungen führt, wenn ich zeige, was ich fühle. Und wer wird schon freiwillig gerne verletzt?

Inzwischen ist es anders. Ich übe mich darin, meinen Schwestern die Wertschätzung entgegenzubringen, die sie verdient haben und die sie einfach wert sind.

Mein Schwesterherz schlägt voller stolz und unverfälschter Freude darüber, was beide in den letzten Jahren durchstehen mussten und durchgestanden haben. Also, nicht falsch verstehen! Ich kann nicht nachvollziehen, warum sie das alles durchmachen mussten und müssen und bin darüber alles andere als glücklich. Aber ich bin froh, dass sie alles angegangen sind. Besonders das letzte Jahr hat große Tiefpunkte gehabt, aus dem wir alle uns auf unsere eigene Art und Weise heraus gekämpft haben.

Jetzt in der Vorweihnachtszeit wird mir erst so richtig bewusst, dass von uns keiner seine Hoffnung aufgegeben hat und vor allem die beiden zu sehr starken Menschen geworden sind. Natürlich hat jede einzelne jeden Tag ihren Kampf zu kämpfen. Und vielleicht sind wir untereinander auch nicht immer damit einverstanden, wie wir diese Kämpfe kämpfen – aber im Grunde stehen unsere Schwesterherzen zusammen. Und eigentlich sehnen wir uns danach, füreinander da sein zu können.

Es sind für uns alle lange Wege zur Heilung… physisch oder psychisch… aber wir können ihn gehen und uns immer wieder die Hand reichen uns nähern und uns einfach so annehmen, wie wir sind.

Für mich war es ein langer Weg bis zu diesem Denken, aber ich habe es geschafft und alle Verletzungen heilen – durch die Liebe Gottes, die er mir für diese beiden ins Herz gelegt hat. Ich selbst würde das nicht schaffen und würde es auch nicht wollen – aber mit Gottes Hilfe und dem Blick von Jesus auf uns drei, ist mir bewusst geworden, dass ich Frieden haben will und den bekomme ich einzig durch Jesus.

perfekte Unperfektheit

Wenn mir etwas nicht gelingt, bin ich direkt am Boden zerstört. Ich mit all meinem Perfektionismus und Erwartungen an mich selbst, richte mich selbst und kann nicht bestehen. Ich kann Dinge erfahren, die in der Vergangenheit liegen – und sie können mir den Boden unter den Füßen wegreißen und mich in die Schlucht stürzen lassen.

Aber ich kann auch eine andere Perspektive einnehmen. Einen Blick auf alles – mit den Liebenden Augen Gottes. Wie oft klage ich über Dinge, die mich umhauen, die ich nicht kontrollieren kann? Und wie oft nehme ich dadurch Gott die Möglichkeit, in meinem Leben etwas zu bewirken?

Ich mit all meinem Perfektionismus darf lernen, dass das Perfekte im Nicht-Perfekten liegt. Ich darf lernen, dass ich nicht alles kontrollieren kann, aber demjenigen vollkommen vertrauen darf, der alles kontrollieren kann. Ich darf auf meine Unperfektheit schauen und feststellen, dass ich so wie ich bin perfekt in Gottes Augen bin.

Und dafür bin ich ihm zutiefst dankbar. Dankbar für Perspektivenwechsel und die perfekte Unperfektheit. Und in all dem wird Gott mich vom Boden wieder aufheben und aufrichten.

Krankenhaus… Teil 3

Ich mag alte Menschen. Ich weiß nicht, wieso. Doch eigentlich weiß ich das. Sie haben mir an Lebenserfahrung so viel voraus, und haben sehr viel erlebt. Auch wenn sie inzwischen verwirrt, senil und nicht mehr mobil sind, haben sie unseren Respekt verdient! Ich rede gerne mit ihnen und bin deswegen auch aktiv bei dem Seniorenkreis unserer Gemeinde dabei.

Und von dem Respekt habe ich im Krankenhaus einfach nichts gespürt. Die Dame mir gegenüber wirkte so, als würde sie meine erste Nacht im Zimmer nicht überleben… Panikattacke, Atemnot und sehr unruhig… und jedes Mal hat sie geklingelt. Ich kann das verstehen. Wenn es mir besser gegangen wäre, hätte ich mich an ihre Seite gesetzt. Sie sagte der einen Krankenschwester, dass sie Angst hätte vor der OP. Die Reaktion der Krankenschwester hat mich bis ins Tiefste getroffen. „Nein, Sie haben keine Angst! Jetzt schlafen Sie“, und damit war sie wieder aus dem Zimmer draußen.

Jemandem seine Gefühle abzusprechen ist das schlimmste in meinen Augen. Diese Frau hatte wirklich Panik vor der OP. Ich habe mich zusammen gerissen und habe ein Gespräch mit ihr begonnen. Und ich habe heraus gehört, dass sie nicht nur Angst vor der OP hatte, sondern Todesangst. So eine Person kann man unmöglich mit den Gefühlen alleine lassen. Ich hatte kein Zeitgefühl, aber wir haben lange gesprochen, bis sie schlafen konnte. Am nächsten Tag war die OP und als sie wieder ins Zimmer gebracht wurde, fragte sie den „Bettenfahrer“ als erstes, ob die rothaarige Dame noch da wäre. Sie bedankte sich und meinte, sie hätte sich getragen gefühlt. Sie war nach der OP noch verwirrter, meinte, dass sie auf den Schieber müsste und es kam nichts. Das ärgerte scheinbar die Schwestern noch mehr und es war nicht selten, dass die Türe knallte oder die Dame dazu angehalten wurde, nur zu klingeln, wenn sie sich wirklich sicher sei. Sie ließen sie auch teilweise nicht zugedeckt liegen, so dass man sehr viel von der Dame gesehen hat. Die Würde des Menschen wurde in meinen Augen herabgesetzt.

Die andere Dame neben mir hielt jede von uns für ihre Tochter. Und das jedes Mal, wenn sie einen von uns wahrnahm. Ich machte mir die Mühe, ihr jedes Mal aufs Neue zu sagen, dass wir im Krankenhaus liegen und ihre Tochter zu Besuch kommen würde. Mit meinem Kopf und den Schmerzen war das eigentlich eine Leistung, die ich kaum erbringen konnte, aber keine der Schwestern ist auf diese beiden eingegangen, hat sie dort abgeholt, wo sie waren.

Mittwoch Abend war ich dann allerdings so fertig, dass ich das Angebot der Schwester annahm und in dem Aufenthaltsraum schlafen durfte. Nachdem die eine aufstehen wollte, nicht durfte und ich geklingelt habe und es geschafft habe innerhalb der 10 Minuten bis die Schwester kam, dass sie wieder lag. Das hat mich über meine Kräftegrenzen gebracht. Am Donnerstag habe ich beschlossen, dass es besser ist für mich, wenn ich Zuhause weiter ruhig bleibe und gesund werde.

Der Arzt gab sein OK und ich durfte nach Hause. Hier genieße ich die Ruhe. Es gibt keine harschen Worte der Krankenschwestern, kein dauerhaftes Klingeln. Es gibt hier niemanden, der etwas von mir will oder ohne Ankündigung das Licht anknipst. Hier weiß ich, wie ich mich trotz Schwindel bewegen kann und dass ich mich auf mich verlassen kann.

Inzwischen ist der 09.10. und ich habe noch ein paar Nachwirkungen, aber damit kann ich leben und es wird von Tag zu Tag besser.

Ich leide allerdings darunter, das Wissen zu haben, dass es tagtäglich auf dieser Station Patienten gibt, die so behandelt werden, wie die Damen und ich. Mein Bewusstsein für den Stress ist vorhanden – aber ich frage mich, ob man sein Einfühlungsvermögen dafür aufgeben muss, um diesen Job zu machen. Wenn Menschen die Leidenschaft für ihren Beruf fehlt, kann es (besonders im Sozialwesen) schnell sehr fies werden…

In welchem Deutschland leben wir? Sollten wir nicht eigentlich eine ganz andere Art haben, mit unseren Mitmenschen umzugehen? Sollten wir nicht einen annehmenden und wertschätzenden Blick auf alte Menschen haben? Viele haben Deutschland wieder aufgebaut nach dem Krieg! Viele haben Verluste erlitten oder andere traumatische Erlebnisse gehabt. Sollten wir dafür nicht Respekt zollen und für sie da sein?

Was bitte ist aus unserer Menschlichkeit geworden?

Zum Schluss möchte ich sagen, dass ich dankbar für die wenigen Menschen bin, die diese Menschlichkeit gezeigt haben. Die für uns da waren und die vieles möglich gemacht haben. Bei so viel negativem verlieren sie nicht den Blick auf das Positive und ich bin dankbar, dass es 2-3 Schwestern gab, bei denen ich mich sicher und aufgehoben gefühlt habe und als Mensch wahrgenommen wurde.

Krankenhaus… Teil 2

Sooo… nun bin ich auf Station angekommen. Zu meiner Überraschung lande ich in einem 4-Bett-Zimmer mit drei Ü85 Ladies. Seit wann gibt es noch 4-Bett-Zimmer? Ich habe gedacht, dass die schon überall abgeschafft worden wären. ‚Egal‘, dachte ich und machte die Augen zu. Ein Pfleger kam zum Blutdruck-Messen und wollte wissen, ob bekannt ist, dass ich Bluthochdruck hätte… bei einem Mal messen… mein Blutdruck war bei 160/95… also nicht gerade niedrig, aber so hoch war er noch nie. Kann man von einem Mal messen auf eine Erkrankung schließen?

Zunächst durfte ich nur mit Begleitung auf Toilette (nach dem ich einen Schieber abgelehnt habe) und die Schwester war super freundlich und sehr fürsorglich – und ich sollte bald bemerken, dass dies eine Seltenheit ist.

Im Laufe des Abends übergab ich mich mehrfach, weswegen ich dann Schmerzmittel und ein Mittel gegen Übelkeit intravenös erhielt. Ich schlief, brauchte nachts jedoch nochmal eine neue Dosis, übergab mich auch da mehrfach und brauchte eine dritte Decke, weil mir wirklich kalt war. Ich selbst habe immer wieder Phasen gehabt, wo ich wach war – aber auch Phasen, wo mich die Schwestern kaum wachbekommen haben.

Die Damen auf meinem Zimmer wirken nur am Anfang so, als wären sie einfach nur „alt“… es stellt sich schnell heraus, dass eine sehr, sehr verwirrt war und die andere Panikattacken hatte wegen der OP und dem, was noch alles folgen kann. Wären meine Kopfschmerzen nicht gewesen, so wäre es eine sehr amüsante Zeit für mich gewesen (wenn man nur die Kommunikation zwischen den beiden Damen betrachtet). Aber dazu im 3. Teil mehr.

Die Schwestern und Pfleger wirken auf mich sehr gestresst, was bei einem Personal-Schlüssel von 3/34 verständlich ist. Wirklich, ich kann es sehr gut verstehen, dass sie gestresst sind und jedes einzelne Klingeln von den Patienten nur noch mehr Stress bedeutet. ABER: diesen Stress an den Patienten auszulassen und im schlimmsten Fall noch die Macht zu missbrauchen, geht definitiv zu weit!!! Es sind 4 Tage gewesen und die einzigen kompetenten Schwestern und Ärzte kann ich an einer Hand abzählen. Und das ist ein trauriges Ergebnis.

Im 3. Teil erzähle ich von meinen Mit-Patienten und dem Umgang mit ihnen. Wohl bedacht darauf, keine Namen zu nennen und den Datenschutz zu würdigen. Ganz ehrlich? Es ist auch ein Selbstschutz, dass ich am Donnerstag schon nach Hause gegangen bin. Da schlägt mein Herz für Senioren einen ganz tiefen Ton. Also sei gespannt auf Teil 3…

Ich für mich musste immer wieder überlegen, ob ich nun klingle oder nicht. Was ist für mich ein Notfall und was ist in den Augen der Schwestern einfach übertrieben? Einer passte es nicht, dass ich Begleitung fürs Klo benötigte. Dann hieß es, ich solle selbstständig werden. Das nächste Mal ging ich alleine und mir wurde schwindelig und wackelig und die Nächste meinte, warum ich denn alleine gehe, ich hätte lieber klingeln sollen… mein Gedanke: „habt ne gescheite Übergabe und klare Anweisungen, dann passiert so was nicht“…

Die dämlichste Aktion (muss ich selbst leider zugeben) war die, dass ich mir nach so einem Kommentar („sie müssen mal selbst mehr aktiv werden und nein, wir können grade nicht beim waschen helfen“) in den Kopf gesetzt habe, denen zu zeigen, dass ich alleine in der Lage bin, mir meine Haare zu waschen…

Ergebnis: Ich wurde „erwischt“, nachdem ich mich, auf dem Stuhl vor dem Waschbecken, vor Schwindel und Müdigkeit in einem Dämmerzustand befunden habe. Ich wurde zum Bett begleitet und bekam eine liebevolle Standpauke. Wie gesagt… ein paar Schwestern hatten wirklich die Patienten im Blick und haben uns das Gefühl gegeben, wichtig und wertvoll zu sein und nicht nur ein Hindernis, zwischen Mitarbeiter und Feierabend…

Mir persönlich war nicht klar, was für mich das richtige Verhalten war. Ich sollte liegen bleiben, das Ja, aber mir wurde an keinem der Tage beim Waschen geholfen (wie meinen Zimmernachbarn) oder habe sonst irgendeine Unterstützung erhalten, damit mein Kreislauf wieder intakt kommt.

Teil 3 folgt…

Krankenhaus… Teil 1

Am 30.09 ist mir etwas ziemlich dämliches auf der Arbeit passiert. Ich bücke mich, will irgendwas in meiner Tasche gucken, komme mit Schwung wieder hoch und knalle mit dem Hinterkopf gegen die Kante vom Hängeschrank… nachdem ich kurz darauf begonnen habe, mich zu übergeben, wurde ich nach Hause geschickt – bzw. musste mich jemand abholen. So sollte ich nicht mehr alleine fahren.

Mein bester Freund holte mich ab, fuhr mit mir erst in die eine Notaufnahme… warten… dann „wir haben keinen Durchgangsarzt – dazu müssen Sie in die andere Notaufnahme“. Er also mit mir ins andere Krankenhaus. Dort wurde schon gesagt, dass ich (so wie ich aussehe) eine Nacht in ihrem Haus gewonnen habe. Das wollte ich nicht wahrhaben. Als es dann immer länger dauerte zog ich die Liege dem Stuhl vor und triftete immer wieder weg.

Ich weiß noch, dass die blonde Ärztin sehr nett war und eine beruhigende Ausstrahlung hatte. Und dass die Schwestern und Pfleger mindestens zu dritt versucht haben, mir einen Zugang zu legen. 8 Versuche insgesamt, ein Versuch ist oben zu sehen, genauso wie das Resultat 10 min später. Als ob ich nicht schon genug Schmerzen hatte…

Der eine Pfleger hat mir mein Armband (mein Freakstock Band) abschneiden müssen, für den gescheiterten Versuch, die Nadel in die Vene zu bekommen. Ehrlich? Ich hatte noch nie so schlecht sichtbare und fühlbare Venen wie an dem Tag.

Das einzige, was ich zu dem Zeitpunkt noch wollte, war schlafen. Egal wo und wie. Nur musste noch ein CT gemacht werden, bevor ich dann auf Station gebracht wurde. Der „Bettenfahrer“ war ziemlich brummelig, es sei seit Jahren viel zu viel und es würde Zeit, dass das KH geschlossen würde. Er wirkte gestresst, genervt und machte mir persönlich ein schlechtes Gewissen, dass er mich durch die Gegend schieben musste. Ich habe mich daher schlafend gestellt, um nicht auch noch mit ihm reden zu müssen.

Also JA… das KH, so wie es aktuell ist, steht vor der Schließung. Es wird umgesiedelt, aber keiner weiß aktuell wann und wie das aussehen wird. Leider merkt man diese Ungewissheit und große Personalnot auch hier an allen Ecken und Kanten. In Teil 2 berichte ich dann von meinen ersten Momenten auf Station.

Ich staffle es auf mehrere Teile, weil es einfach viel ist, ich aber auf etwas bestimmtes hinaus möchte…

Nicht aufgeben und Berufung leben…

Seit einem Jahr und neun Monaten fehlt ein sehr wichtiges Lebewesen in meinem Leben. Kalle! Viele haben meine Vermisst-Meldungen geteilt, mitgefiebert und ebenso viele sind selbst losgezogen, um mir meinen größten Wunsch zu erfüllen. Oft sind diese eigenen Versuche gescheitert und haben mein Expertenteam fast verrückt gemacht. Das Gute: Auch nach 1,9 Jahren wird er immer noch gesehen. In sehr unregelmäßigen Abständen, aber er wird gesehen. Mein kleiner Überlebenskünstler. Ich kann die Hoffnung nicht aufgeben, dass ich ihn eines Tages wieder in meine Arme schließen kann. Er ist ein Teil meines Lebens und wird es immer bleiben, aber er fehlt…

Ich musste mich aus der Sicherungsgruppe rausziehen, weil ich es einfach nicht mehr schaffe, zu sehen, dass Futterstellen leer sind – und dann auf den Kameras zu sehen welche Tiere sich am Futter erfreut haben. Eben – alle außer Kalle.

Sein verschwinden hat eine Kettenreaktion in mir ausgelöst, die alle Mauern um jegliche verdrängten Dinge eingerissen hat. Und nein… ich baue diese Mauern nicht mehr mühevoll wieder auf, sondern ich gehe die Dinge, die ich verdrängen wollte an. Und ich danke meinen Freunden, die mit mir zusammen kämpfen, für mich da sind und mir immer wieder meine Selbstwahrnehmung grade rücken.

Die letzten Jahre waren ziemlich krass und mit vielen Veränderungen in jedem Bereich meines Lebens… aber den genialsten und größten Schritt werde ich Ende des Jahres gehen. Denn dann beginne ich mit dem Master-Fernstudium in Theologie und ich freue mich schon sehr darauf. Auch wenn es bedeutet, dass ich viel Zeit neben der Arbeit hinein investieren muss. Ich fühle mich dazu berufen und habe Bestätigung aus den unterschiedlichsten Richtungen erhalten.

Ihr dürft gerne dafür beten, dass der Einstieg gut wird und dass ich das alles gut hinbekommen kann.

Liebevoll… oder voller Liebe ❤️

Nein, ich bin nicht verliebt und nein, du wirst jetzt keine Liebesgeschichte lesen, die mich betrifft. Also, zumindest fast nicht. Denn ich möchte dir mitteilen, dass DU liebevolle Blicke erhältst. Du wirst von Jesus voller Liebe angesehen. Und ja, ich weiß, das ist sehr direkt, aber ich habe das Gefühl, dass es dran ist gesagt zu werden.

Egal, in welchem Loch du grade steckst, Jesus sieht dich. Er kann besser als jeder andere verstehen, was es bedeutet, in einem Loch zu stecken. Er ist bei dir und lässt dich nicht alleine. Ja, er sitzt mit dir im Loch und wartet darauf, dass du ihm die Hand gibst. Und glaub mir, er hat Geduld, denn du bist ihm wichtig.

Egal, wie tief du grade im Morast steckst… er wartet darauf, dich herauszuziehen. Er liebt dich – auch wenn du stinkst.

Egal, ob du grade Überflieger, Unterflieger, Tollpatsch, Normalo oder sonst wer bist: Jesus liebt dich. Und es ist dabei nicht entscheidend, wie deine Vergangenheit bisher aussah, oder wie du jetzt grade tickst – entscheidend ist, ob du von ihm geliebt werden willst.

Kannst du dir vorstellen, dass er aus Liebe zu dir vor über 2000 Jahren starb, damit er später einmal mit dir die Party der Ewigkeit feiern kann?

Kannst du dir vorstellen, dass es einen Gott gibt, dem es egal ist, welche Scheiße du fabriziert hast – er hat deine gesamte Zukunft im Blick und kann erahnen, was da noch so alles kommt… aber er liebt dich und will den Weg mit dir gehen.

Kannst du dir vorstellen, dass er uns den freien Willen gelassen hat, obwohl es wahrscheinlich das schwerste für ihn war, was er getan hat?! Immerhin weiß er, was es für uns bedeutet.

Jesus liebt dich! Liebst du dich? Und kannst zulassen, von ihm eine Welt gezeigt zu bekommen, die voller Wunder und Liebe ist? Voller Gnade und Vergebung und letztlich auch voller innerem Frieden? Er blickt dich liebevoll an und ist so voller Liebe für dich, dass sich das keiner vorstellen kann.

Für B.

Liebe deine Feinde

Dieser Vers ist Teil der Bergpredigt und steht in Matthäus 5,44-48. Er war gestern der Tagesvers der Youvision BibleAPP und hat mich vor eine Herausforderung gestellt.

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein friedliebender Mensch bin und Kinder sehr gerne habe. Ich habe gedacht, dass die Arbeit in der Kita erfüllend ist und ich den Kindern helfen kann auf ihrem Weg zum Schulkind Fähigkeiten zu erwerben. Leider ist dies in der Kita, in der ich arbeite nicht wirklich möglich. Und nein, es liegt nicht an den Kindern. Da muss ich sagen, die Kinder können nichts für ihre Eltern.

Eltern, die anfangen, gegen Mitarbeiter zu hetzen, übel nachreden und Gerüchte in die Welt setzen. Eltern, die einem das Wort im Mund umdrehen und es schaffen, dass man mit Bauchschmerzen auf Arbeit erscheint.

Gestern habe ich die Reißleine für mich gezogen und bin (bis ich den Job Ende des Monats wechsel) krankgeschrieben. Ich wollte die drei Wochen durchziehen, der Kinder wegen und auch ein bisschen für mich, aber das wären falsche Motive gewesen.

Viele meiner Freunde haben geschockt reagiert, den Betroffenen Dinge an den Kopf gewünscht und gemeint, ich solle sie doch anzeigen. Diese Reaktion kann ich nachvollziehen, ist aber dennoch nicht meine.

Denn: Liebet eure Feinde! Welchen schwachen Charakter müssen diese Leute besitzen, die so gegen andere gehen? In mir ist keine Wut. Ich habe keine Rachegedanken… in mir ist Traurigkeit und Mitleid. Sie tun mir leid, wenn dies der einzige Weg für sie ist. Und letzten Endes wird Gott Richter sein. Ich sollte mir kein Urteil erlauben. Ich weiß nur, dass Gott diese Menschen auch liebt und dass ich sehr viel von Jesus lernen kann. Besonders in solchen Momenten. Besonders, wenn Menschen so offensichtlich gegen einen sind. Besonders, wenn ich das Gefühl habe, dass ich es nicht ertragen kann. Denn da ist Gott. Er hält mich und trägt mich durch alle Gefahren. Er schirmt mich vor meinen Widersachern ab und beschützt mich.

Und noch eine weitere Komponente darf ich nicht außer Acht lassen: Der Teufel versucht alles, um mich von Gott wegzubekommen. Dass er das Gegenteil mit seinen Aktionen erreicht, ist ihm scheinbar weiterhin nicht bewusst. Er hat mich nicht davon abgebracht aufs Freakstock zu fahren und er wird mich nicht davon abbringen, demnächst Theologie zu studieren. Er wird es versuchen, wird Menschen dazu nutzen, aber Jesus hat schon längst gesiegt – wieso sollte ich da also noch einknicken?

In diesem Sinn: Liebe die, die dich verfolgen und hassen. Mit Liebe rechnen diese Menschen nicht. Und verlass dich auf Gott.

Sei gesegnet und gehe in dem Bewusstsein durch den Tag, dass du Gottes geliebtes Kind bist und er für dich sorgt.